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Beim 7. Internationalen Kongress konnte die Generaloberin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck Sr. Kunigunde
Dr. Fürst den Landesdirektor vom ORF Oberösterreich Dr. Helmut Obermayr,
Chefredakteur der Kronenzeitung Klaus Herrmann, Bischof Ludwig
Schwarz und Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer begrüßen.
Folgende Referenten behandelten das Kongress-Thema:

Dr. Rudolf Kösters, Präsident der Deutschen
Krankenhausgesellschaft Berlin
Der Referent beschäftigte sich mit dem Krankenhaus
im Spannungsfeld zwischen Humanität und Ökonomie. Grundsätzlich sind
christliche Häuser der Tradition – Bewahrung und Weiterführung der
Werte und Aufgaben der Orden – verpflichtet, wobei sich aber
Tradition und Marktdynamik nicht ausschließen, ganz im Gegenteil.
Die Zukunft liege dabei in Krankenhausverbünden, das alleinstehende
Spital ist in Zukunft chancenlos. Entscheidend bei diesen Verbünden
für optimale Synergien sind Leistungsabsprachen und
Schwerpunktbildungen. „Leuchtturmprojekte“ sollen installiert
werden, also Einrichtungen mit ganz speziellen hochmedizinischen
Leistungsangeboten. Entscheidend für den Erfolg ist aber letztlich
immer die Werte- und Unternehmenskultur. Die Wertekultur in einem
christlichen Haus ist so zu leben, dass sie für Patienten,
Mitarbeiter und Angehörige erfahrbar wird. Wertorientierung und
Wertbasierung sind zentrale Ansatzpunkte eines christlichen Spitals.
Das christliche Profil muss bei allen
Wirtschaftlichkeitsbestrebungen immer die Leitlinie des Handelns
bleiben.

P. Herwig Büchele SJ
Er sprach zum Thema „Der real praktizierte
Kapitalismus – hat er eine Zukunft?“ Die humanisierenden Einflüsse
des Staates – und dies gilt letztlich ja auch für Spitäler – sind
heute in Gefahr durch den Prozess der Globalisierung. Die
Weltgesellschaft wird immer mehr in ein steuerungsloses System
verwandelt. Staaten und Gewerkschaften verlieren immer mehr an
Gegenmacht. Eine neue Weltordnung ist politisch gefordert. Auf dem
Spiel steht nämlich der soziale Frieden. Die Staaten müssen wieder
Ordnungsmaßnahmen vorgeben und dürfen nicht die total freie
Marktwirtschaft zulassen. Entscheidend wichtig für die soziale
Gerechtigkeit ist ein gegenseitiges soziales Haftungsprinzip, gegen
das in letzter Zeit grob verstoßen wurde. Ohne eine kooperative neue
demokratische Weltordnung wachse die Orientierungslosigkeit ganz
vieler Menschen weltweit. Der Strukturwandel zu einer Allianz der
Demokratie wird entscheidend sein. Allein der Vorrang der
spirituellen Dimension des Daseins bricht den Mechanismus der
Gewinnmaximierung um seiner selbst Willen. Nur die spirituelle
Dimension bewirkt, dass die Mittel Mittel bleiben und nicht zum
Selbstzweck werden.

Dr. Reinhard Dörflinger,
Arzt und Mitglied im Vorstand von Ärzte ohne Grenzen Österreich
Thema: Humanitäre Nothilfe – mehr Bedarf durch die Wirtschaftskrise?
Die Leidtragenden der Globalisierung sind vor allem
die Menschen der Entwicklungsländer. Daher müsse auch die Hilfe
globalisiert werden. Beste medizinische Versorgung und Betreuung ist
auch ein Anrecht der Bevölkerung der Entwicklungsländer. Ärzte ohne
Grenzen ist hier tätig, sie hilft Menschen in Not, ohne
Diskriminierung, neutral und unparteiisch und unter Wahrung
ethischer Grundsätze. Die Mitarbeiter sind Freiwillige. 1971 wurde
die Organisation gegründet, in etwa 60 Ländern betreut sie 9
Millionen Patienten. In Österreich hat Ärzte ohne Grenzen 100
Einsatzhelfer, trotz der Krise gibt es keinen Rücklauf der Spenden.

Marie-Luise Müller, Präsidentin des Deutschen Pflegerates
Thema: Wirtschaftskrise – Auswirkungen auf die Pflege
Die Referentin sieht in der Krise einen höchst
produktiven Zustand, man müsse ihr nur den Beigeschmack der
Katastrophe nehmen. Gerade auch für den Pflegeberuf bietet die Krise
die Chance für eine entscheidende Neuorientierung. Die zukünftige
Lage für die Pflege sei ohnehin grundsätzlich positiv zu sehen. Die
pflegenden Angehörigen nehmen ab, der Pflegebedarf nimmt stark zu,
neue Beschäftigungsfelder können besetzt werden. Entscheidend wird
sein, dass die Dienstleistung „Pflege“ aufgewertet wird. Die
Entwicklung würde nämlich von den Wohlfahrtseinrichtungen hin zur
Gesundheitswirtschaft gehen. Wichtige soziale marktwirtschaftliche
Prinzipien sind hier Preis, Qualität, Wettbewerb und Marketing. Und
damit Hand in Hand geht die Neubewertung der Pflege. Die originären
Pflegedaten bzw. Pflegeleistungen sind zu bewerten. Das Profil von
Pflege gerade auch im Krankenhaus müsse deutlich verbessert werden.
Der Anspruch der Bevölkerung an professionelle Pflege wird nämlich
in Zukunft ein anderer sein. Das bedingt eine starke Veränderung des
Berufsprofils. Handlungsfelder werden stark erweitert werden, viele
Tätigkeiten, die bisher nur Ärzten vorbehalten sind, kann auch das
Pflegepersonal ausführen wie etwa schon in Australien. Die Pflege
könne sich hin zu einem „freien Beruf“ entwickeln. Die Pflege will
primäre Leistungserbringerin werden und viele heilkundliche
Tätigkeiten selbstständig und nicht auf ärztliche Anweisung
durchführen. Das müsse ein gemeinsames Ziel von Pflege und Ärzten
sein, des bringt speziellere Versorgung und Einsparung an
Ressourcen. Die Krankenschwester soll „Gesundheitsschwester“ werden,
gewünscht werden mehr „Gesundheitskunden“ und weniger Patienten.

Dr. Manfred Georg Krukemeyer
Thema: Zukunft des Gesundheitswesens. Ist eine weitere
Rationierung im Krankenhaussektor notwendig?
Präsentation
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Die aktuelle Finanzkrise habe die Krankenhäuser in Deutschland noch
nicht erreicht. Die aktuelle Situation im Krankenhaus erlebt derzeit
ständig steigende Kosten, politische Forderungen zur Verlagerung von
stationärer zu ambulanter Versorgung und einen veränderten Casemix
durch vermehrte ambulante Eingriffe und kostenintensivere Patienten
im stationären Sektor. Dazu kommt Überkapazität in Ballungsgebieten.
Die voraussichtliche Auswirkung der Finanzkrise auf die
Krankenhäuser durch höhere Arbeitslosigkeit 2010 wird bestehen in
sinkenden Einnahmen der Sozialversicherungen. Die Krankenkassen
werden in Deutschland die Ausgaben reduzieren, die Vergütung der
Krankenhäuser werde stagnieren oder sinken. Aber auch in
Krisenzeiten bleibt die Nachfrage im Gegensatz zu anderen Branchen
stabil, Investitionen in neue, moderne Medizintechnik schafft
weiteres Wachstum. Wichtig sei die Bündelung von Synergien in
Krankenhausverbünden. In der freien Marktwirtschaft erfolgen
Rationierungen über den Preis, dies kann für medizinische Leistungen
nicht gelten. Derzeit sei in Deutschland aber die Entscheidung über
Menge, Umfang und Verteilung von Leistungen schon voll im Gang. Die
Finanzierung vor allem auch der High-Tech-Medizin sind Probleme, die
in Zukunft gelöst werden müssen durch eine geglückte Balance
zwischen Solidarität und Eigenverantwortung. Die Aufgaben der
Zukunft werden sein: Sicherung des medizinischen Fortschritts und
hoher Behandlungsqualität, Finanzierbarkeit und Zugang für alle zu
innovativen Gesundheitsleistungen, Gleichgewicht von Solidarität und
Eigenverantwortung und verstärkte Prävention.

Podiumsdiskussion
Teilnehmer: Dr.
Michael Heinisch, Geschäftsführer Vinzenz Gruppe, LAbg. Dr. Julia Röper-Kelmayr,
Marie-Luise Müller, Dr. Georg Krukemeyer,
Dr. Günter Jakobi, Geschäftsführer TAU.GRUPPE.VÖCKLABRUCK der
Franziskanerinnen Vöcklabruck
Moderation: Dr. Johannes Jetschgo, Chefredakteur ORF OÖ
Forderung nach Abbau überbordender Krankenhausbürokratie
Die Vertreter der Ordenskrankenhäuser in
Oberösterreich forderten einen strikten Abbau der überbordenden
Bürokratie im Krankenhaus. Jene Kosten, die direkt dem Patienten
dienen, sollen steigen, alle anderen sollen sinken. Betont wurde
auch, dass das solidarische Bekenntnis im Gesundheitswesen auch in
Zukunft erhalten bleiben muss. Grundsätzlich werde zwar der
Gesundheitsmarkt erschwerter finanzierbar sein, umgekehrt ist er ein
großer Jobmotor. Wichtig sei es, klug in das Gesundheitswesen zu
investieren, das heißt in Qualität, Effizienz und Synergien zum Wohl
der Patienten und Steuerzahler und in Menschlichkeit. Gerade
Ordenskrankenhäuser sind nicht nur große Wirtschaftsunternehmen,
deshalb müssen Werte zur Zielscheibe von Investitionen werden.
Wichtig ist die Qualität weiter hoch zu halten, und zwar
gleichermaßen für alle Patienten.
Weitere Informationen zum Kongress sowie Pressefotos auf
Anfrage
Die Oö. Ordensspitäler danken ihren Partnern für die freundliche Unterstützung:
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