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Spiritualität am Krankenbett

 
„Religion – Chance oder Risiko für die seelische Gesundheit“ – unter diesem Motto stand am Donnerstag eine Informationsveranstaltung der OÖ. Ordensspitäler im Klinikum der Kreuzschwestern Wels. Moderiert von der Geschäftsstellenleiterin der OÖ. Ordensspitäler, Mag. Dr. Irmgard Wintgen-Samhaber, fand sich am Podium mit dem deutschen Religionswissenschafter und Psychologischen Psychotherapeut Prof. Dr. Sebastian Murken (Leiter der Arbeitsgruppe Religionspsychologie der Universität Trier), der Innsbrucker Universitätsprofessorin Dr. Friederike Rothe, Univ. Prof. Dr. Josef Thaler – Vorstand der IV. Internen Abteilung am Klinikum Wels – und dem Krankenhausseelsorger Diakon Herbert Mitterlehner ein hochkarätiges Expertenteam ein.

Den Vortragsreigen zu diesem spannenden Thema eröffnete Dr. Sebastian Murken. In den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass „trotz zurückgehender Kirchlichkeit das Bedürfnis nach transzendenten Bezügen und die Suche nach Sinn nicht weniger geworden ist“. Die verschiedenen religiösen und spirituellen Formen der Sinnkonstruktion seien auch im Bezug auf die Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit relevant, so dass sie im „individuellen Glaubenssystem von Patientinnen und Patienten“ einen entscheidenden Faktor für ihr Krankheits- und Genesungsverständnis darstellen. „Die Gefahr der modernen Medizin ist, dass der Mensch nur mehr als interaktiver Zellhaufen gesehen wird. Da braucht es ganz klar Spiritualität, die dem entgegensteuert“, ist Murken überzeugt.

Dr. Friederike Rothe setzte sich in ihrem Vortrag mit ihrem Fachgebiet Kommunikation auseinander. „Über die gesamte Lebensphase hinweg braucht der Mensch gelingende Kommunikation mit anderen Menschen, um das in ihm angelegte Potenzial entwickeln zu können. In diesem Sinne bringt sie umfassendes soziale Wohlbefinden und psychische Gesundheit mit sich“, so Rothe. Das Resumee der Expertin fällt dennoch ambivalent aus: „Meine Erfahrungen haben auch gezeigt, wie viel blockiert wird, wenn Religion instrumentalisiert auftritt. Dann ist sie eher eine Beeinträchtigung der Kommunikation“, ist Rothe überzeugt.

„Ich sehe die moderne, integrative Krankenhausseelsorge als absolute Chance“, hielt Dr. Josef Thaler fest. Wichtig sei, dass die Seelsorge im Krankenhaus stets „Teil des Ganzen ist“. Auch die Spiritualität müsse von Anbeginn an in den Behandlungsverlauf eingebunden sein. „Und sie ist ein enorm wichtiger Bestanteil für alle Beteiligten: Patient, Angehörige, Ärzte, Pfleger“, so Thaler. Insbesondere bei schweren Erkrankungen seien begleitende Gespräch ganz wichtig. „Krebs zum Beispiel hat bei Patienten einen ganz besonderen Nimbus und ist meist mit großer Angst verbunden. Bei Betroffenen passiert ein Paradigmenwechsel und es werden plötzliche ganz andere Dinge im Leben wichtig. Es passiert auch eine Art Rückschau auf die Wichtigkeit des Lebens. Dabei ist die Unterstützung die Krankenhausseelsorge ganz entscheidend“, weiß Thaler aus dem Krankenhausalltag.

Man müsse sich immer dessen bewusst sein, dass der Patient mit der Einlieferung in ein Krankenhaus zwar Teil ein Systems wird, aber nicht „das System den Patienten behandelt, sondern Persönlichkeiten“, ist Diakon Herbert Mitterlehner überzeugt. „Ich hoffe, dass Religion eine Chance ist. In einem reflektierten Glauben wird eine moderne Medizin die Hand der Seelsorge ergreifen“, so Mitterlehner. Probleme mit unterschiedlichen Religionsgemeinschaften gebe es in seiner Arbeit nicht. „Wir versuchen natürlich bestmöglich auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Ich begegne in meiner täglichen Arbeit aber nicht einem Religionsbekenntnis sondern immer Menschen“, untermauert der Diakon.

Unterlagen Prof. Murken

Link "Zwischenmenschliche Kommunikation" - Prof. Rothe