Der Informierte Patient - Feindbild oder Leitbild?

Zum Titel „Der informierte Patient“ trafen am 11. Dezember im Fortbildungszentrum der Elisabethinen zwei namhafte Experten zusammen: Mit Moderation der Geschäftsstellenleiterin, Dr. Irmgard Wintgen-Samhaber, diskutierten Patienten- und Pflegeanwalt (NÖ) Dr. Gerald Bachinger und Prim. Doz. Dr. Rainer Schöfl, Vorstand der 4. Internen Abteilung Krankenhaus der Elisabethinen Linz.
Im einleitenden Impulsreferat betonte Dr. Bachinger, dass vor allem die Vertrauensbasis zwischen Therapeut und Patient eine wesentliche Rolle spielt und Vertrauen nur durch eine wirkungsvolle Information entstehen kann.
Erfahrungen aus vielen Besprechungen mit Patienten: Bedürfnis nach Information in allen Facetten, ist bei vielen Beschwerden direkt oder indirekt zu bemerken. In einer Studie wird verdeutlicht, dass sich Patienten jüngeren Alters z.B. über Behandlungsmethoden weniger gut informiert fühlen, als Patenten über 55 Jahre. Dr. Bachinger erläutert die zunehmende „Mündigkeit“ von jüngeren Patienten, die dem Therapeuten kritischer gegenüberstehen als die heutige ältere Generation und vermutlich auf einen generellen Gesellschaftswandel zurückzuführen ist. Im aktuellen Gesundheitswesen vermisst der Patientenanwalt vor allem noch gute aussagekräftige Qualitätsberichte, die der Patientenschaft mehr Transparenz liefern und somit dem informationsbedürftigen Patienten mehr gerecht werden kann. Ganz klar werden auch die Patientenrechte auf Information skizziert, die von keinem Angehörigen eingeschränkt werden dürfen. Zukunftsweisend wird auch für die „ELGA“ argumentiert, indem das Vertrauen der Patienten durch neue Informationstechnologien gestärkt werden kann, wenn es gelingt über den individuellen und systemischen Nutzen gut zu informieren.
Prim. Dr. Schöfl referierte aus der Praxis über die Überbringung von schlechten Nachrichten. „Wahrheit ist ein wenig wie ein Medikament“, erläutert Prim. Dr. Schöfl die „richtige“ Dosis an Information. Ein Zuviel vergiftet, ungenügende Dosierung lässt das Vertrauen an den Therapeuten schwinden, Überempfindlichkeit und Wirkungsverlust sind möglich und manchmal treten Resistenzen auf. In seinem Impulsreferat verdeutlicht der Arzt, dass die Wirkung von schlechten Nachrichten natürlich auch vom Vorwissen und Erwartungen abhängt und die Wirkung derselben Diagnose von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann (Alter, Familiensituation, Beruf…). Erstaunlich aus heutiger Sicht ist, dass noch bis vor wenigen Jahrzehnten es üblich war, vor dem Patienten möglichst viel Aufklärung zurückzuhalten, sogar heute noch ist es in Ostasien, Teilen Afrikas und in Süd- und Osteuropa vorherrschend, dass Patienten über schlechte Diagnosen wenig informiert werden. In manchen Fällen werden dort sogar Angehörige besser informiert als der Patient selbst. Der Vortragende sieht als Hauptgrund vor allem die Angst vor dem eigenen Tod und die Verdrängung, die es so schwierig machen, mit dem todkranken Patienten zu sprechen. Mittlerweile wurden aber viele (Gesprächs-)Modelle entwickelt, die es erleichtern sollen, schlechte Nachrichten in einer angemessenen und behutsamen Form zu vermitteln, sodass der Patient sich gut informiert und getragen fühlt in diesen Ausnahmesituationen. In der Übermittlung von schlechten Nachrichten ist jedenfalls sehr wesentlich, dass der zuständige Therapeut/ Arzt das Gespräch führt und nicht delegiert, sowie dass sich der Überbringer der Nachricht auch gut auf dieses Gespräch vorbereitet, den gerade auch durch die Körpersprache des Arztes kann der Patient viel aufnehmen, was dann aber vielleicht zu Missverständnissen führen kann. |