Eugen Münch
Das Gesundheitswesen in der alternden Gesellschaft als Gesundheitswirtschaft und Wachstumsfaktor
„Die Nutzung der neuen Medizin unter den Regeln der alten führt zu ähnlichen Problemen wie in der Finanzwirtschaft. Es wird auf der Basis des Vertrauens ein Produkt verkauft, das keines ist. In der neuen Medizin wird die Leistung nur scheinbar individuell erbracht, stattdessen Konfektionierung. Gesundheitszustand, Alter und steigende Erwartung an die Lebensqualität generieren unterschiedliche Konsumbedürfnisse; das ist eine unterschiedliche Bewertung des „Lebensgewinns“. Die steigende Nachfrage aus der „alten Gesellschaft“ wandelt Konsumbedürfnisse und Industrien und substituiert die Konsumgüter der jungen. Für die alte Gesellschaft ist entscheidend, altersgruppengerecht „dabei zu sein“. Wir sind also am Scheideweg: Denn wenn die Gesellschaft, weil es um Konsum und nicht mehr um Solidarität erfordernde Nothilfe geht, dafür nicht mehr aufkäme, würde der Alterskonsument den Aufwand für seine altersgerechte Mobilität vermutlich selbst tragen, wenn er es mit seiner Kaufkraft könnte. Bleibt die „alte Solidarfinanzierungsform“ bestehen, werden große Teile des Alterskonsums nur auf Bezugschein zu haben sein. Die Rationierung führt direkt ins gespaltene System: Unterversorgung auf Bezugschein für alle, und Edelversorgung zu Hochpreisen für die Oberschicht. Aufgabe wäre, die Gesundheitsleistungen wie eine funktionierende Industrie zu erzeugen – nützlich, funktional und preiswert als Bedingung der allgemeinen Verfügbarkeit. Denn nicht die Rationierungsmedizin, sondern eine konsumorientierte Massenmedizin mit Anspruch auf menschliches Gesicht führt zu einer sozialen Gesundheitswirtschaft, die nicht nur in ihrem Ergebnis, sondern in ihrem Dasein soziale Wirkung entfaltet.
Eugen Münch wuchs im schwäbischen Horgen auf, studierte Betriebswirtschaftslehre und Jura. 1974 übernahm er die Geschäftsleitung der Kurbetriebs- und Verwaltungsgesellschaft mbH, welche in Rhön-Klinikum GmbH umbenannt wurde, später Rhön-Klinikum AG. Münch leitete das Unternehmen als Alleinvorstand, sanierte das zuvor marode Unternehmen, brachte es an die Börse und baute es zu einem der größten Klinikunternehmen Deutschlands aus. Seit 2005 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG.
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